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Blumen für Gudendorf
Etwa 100 Menschen folgten am 6. Mai dem Aufruf der Initiative "Blumen für Gudendorf" und gedachten der über 3000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Gudendorf begraben liegen. Die Veranstalter
wollen aber nicht nur an die Toten erinnern, sondern auch gegen Krieg und Faschismus mahnen.
Gudendorf ist eines der vielen Massengräber in Deutschland. In Gudendorf
wurde kurz nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Dramatisch verschlechterte sich die Situation durch Verlegung des Erweiterten Krankenreviers des Stammlagers XA von Heidkaten bei Kaltenkirchen nach Gudendorf im April 1944. Nach den Forschungen von Gerhard Hoch erhielt Gudendorf damit die Funktion
eines Sterbelagers. Es wird geschätzt, dass mehr als 3000 sowjetische Kriegsgefangene in Gudendorf starben. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt.
Neben der Erinnerung an die Toten soll die Veranstaltung dazu mahnen, nicht zuzulassen, dass Menschen anderen Glaubens oder anderer Herkunft in Deutschland verfolgt, gedemütigt oder sogar ermordet werden. Benno Stahn erklärte, dass die Initiative "Blumen für Gudendorf" sich dafür
einsetzen will, dass die Losung "Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!" Realität wird.
Ministerpräsident Carstensen dankte in einem Grußwort, das verlesen wurde, der Initiative "Blumen für Gudendorf" für ihren stetigen Einsatz, die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wachzuhalten. Er sprach der Initiave für ihre Arbeit Respekt und Dankbarkeit im Namen der Landesregierung aus.
Gudendorfs Bürgermeister Thomsen erinnerte daran, dass von den etwa 5,4 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen ca. 3 Millionen in deutscher Gefangenschaft wegen der unmenschlichen Zustände an Auszehrung und
Krankheiten gestorben sind und rief aus: "Euer Tod mahnt uns zum Frieden!"
Landrat Jörn Klimant rief dazu auf, gegen neonazistische Aktivitäten wie Demonstrationen, Leserbriefe oder das Verteilen von Pamphleten Flagge zu zeigen, wobei er seine Mitverantwortung für die Genehmigung von drei
Naziaufmärschen im letzten Jahr nicht erwähnte.
Die Leiterin der Gedenkstätte Ladelund, Karin Penno-Burmeister, erinnerte daran, dass Menschen im Nationalsozialismus nicht nur ermordet wurden, sondern versucht wurde, ihre Identität und ihr bisheriges Leben auszulöschen, als ob es sie nie gegeben hätte. Wer das Auslöschen weiter
unterstütze, gebe dem Nationalsozialismus im Nachhinein das Recht, Menschen vollkommen verschwinden zu lassen.
Georg Gerchen machte deutlich, dass ein rassistisches Konzept hinter der
Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen stand und die Wehrmacht die Verantwortung für die Ermordung der Kriegsgefangenen trägt. Gerchen
erinnerte an Marko Bowenko, der am 05.07.1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet und nachdem er zunächst in das STALAG D 310 in Wietzendorf kam, am 02.08.1941 dem Arbeitskommando Boostedt 896
zugeteilt wurde. Über Heidkaten kam er nach Gudendorf, wo er am 02. Juli 1944 starb.
Zum Abschluss hielt Pastor Dr. Stein auf einem der Gräberfelder eine Andacht ab. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Gruppe
"Windmoel".